|
|
|
|
|
| format: cd-r | EUR 10.- (shipping included) |
![]() |
![]() |
Der arme KAUDERS wühlte sich mühevoll durch die viel zu billig angebotene Schwarte "Ausgewählte Werke Marquis de Sades". Dass das nicht eben ein Spass ist, versteht sich. Ebenso klar ist, dass kauders wieder nichts verstanden hat und nach wie vor an seiner Tugendhaftigkeit festhält. Dennoch folgte der Auseinandersetzung mit de Sades Schriften eine musikalische Antwort, die von Ambivalenz zeugt. Denn den Reizen musikalischen Schweinigelns zu widerstehen, ist naturgemäss schwierig
und
"Nur wenig ist anregender als die erste gelungene Missetat".
www.kauders.mur.at
sample:
Sentir, c'est etre sur
The man who calls himself Kauders [...] was asked to create a piece 'on his relationship with Marquis de Sade's work'. Kauders uses voices, guitars, sound effects, some rhythm machine and creates music that is best described as slow and improvised. Sadly the recording quality isn't the best around, which doesn't hide the fact that the music isn't the best either. Its hard to see the relation with De Sade, but maybe it's somewhere in the lyrics. If only we could understand those! Maybe the art-brut/outsider style is the intention here, but it doesn't work very well.
Review by Frans de Waard (Vital Weekly)
Eine gruselige Hommage an den Philanthropen und Gutelaunemacher Marquis de Sade, die mal musique concrète, dann mit minimalisierten Industrial-Anleihen arbeitet. Fallweise fühlt man sich an frühe Bulbul oder auch die Melted Men erinnert, wobei man hier keine spaßigen Kostüme vermuten würde. Wenn ich du wäre, würde ich mir das auf jeden Fall zulegen.
Review by Rokko (Rokko's Adventures)
Platte des Monats
Was fühlt man, wenn man Marquis de Sade liest. Und wie hört sich das an, wenn man versucht, das Gefühlte in Musik zu übersetzen. Kauders macht einen Vorschlag. Dem guten de Sade hätte es sein Rüschenhemdchen glattgebügelt, hätte er das gehört. Entstanden ist das gute Werk als Auftragsarbeit für die Konzertreihe sonntags abstrakt, de Sade lesen vorher war natürlich Pflicht. Was ist dabei herausgekommen? Trashige Noise-Rock Einheiten mit Harmoniebedürfnis, leidenschaftlich anhebende Chöre, elektronischer Minimalismus. Verfremdete Stimmen im Hintergrund. Was de Sade so alles bewirken kann, man hätte es vorher nicht für möglich gehalten. Ebenfalls schön: Als Cover wurde ein Entwurf der Comiczeichnerin Edda Strobl verwendet.
Review by Tiz Schaffer (Megaphon)
“Komponiert für das Sonntags Abstrakt Auftragskonzert ‘Marquis de Sade Messe in A-Moll’”, so steht es auf dem Cover geschrieben. Haben BulBul sich hier einen Scherz erlaubt? Postrockige Schwaden einer zerkrachten irgendwie widerständigen Existenz lassen sich erfühlen. Unter Schmerzen wohlgemerkt. Wenig konkret, wenig greifbar. Konfus, lustig, blöd. Handarbeit!
Review by Yves (aufabwegen)
Ich war gespannt, wie Kauders den Bogen zwischen einer Messe in A-Moll mit de Sades literarischem Schaffen spannt, war der Marquis doch einer, der literarisch zum ersten Mal eine "Schwarze Messe" zelebrierte. Schweinigl, Lustmolch und philosophisches Talent de Sade führt in "Juliette" Hostien in eine Vagina ein, läßt Frauen auspeitschen und führt menschliches Scheitern radikal vor Augen. Gewidmet ist das Werk Justine -- wer sich mit de Sade auseinandersetzt weiss, dass es sich dabei um die tugendhafte Schwester von Juliette handelt. Justine und Juliette sind die Töchter eines bankrotten Kaufmanns. Nach dem Tod der nahezu mittellosen Mutter beschließt Juliette, als Prostituierte ins Bordell zu gehen, verübt eine Reihe von Verbrechen, wird reich und glücklich. Justine hingegen wählt den Weg der Tugend, erlebt eine Reihe von Abenteuern und Missgeschicken, wird andauernd verfolgt und erniedrigt, bis sie -- wegen Mordes und Brandstiftung unter Anklage stehend -- wieder ihre Schwester trifft, der sie ihr Lebensschicksal erzählt, bevor sie in einem Gewitter vom Blitz erschlagen wird. Die Moral der Gschicht ist exemplarisch für de Sades Weltbild: Verbrechen wird konsequent belohnt und das Gute wird als unnatürlich entlarvt. Allzu nachvollziehnar ist, dass in einer Auseinadersetzung mit de Sades Werk höchst ambivalente Gefühle wie Ekel, Faszination, Wut, Trauer, Lust in einem hoch steigen und auch Mitgefühl -- das Mitgefühl mit Justine und dann eben auch interessant, wie diese Gefühle musikalisch von Kauders (bekannt als Teil von Code Inconnu bzw. The Striggles) umgesetzt bzw. verarbeitet werden. Gelesen muss Kauders de Sade wohl haben, verstehen muss man ihn ja nicht (kann/will man ihn vielleicht gar nicht). Vielversprechend geht's los. Take a seat, aber machs dir nicht zu gemütlich. Beklemmend und verstörend -- könnte ein Monolog des innerlich zerrissenen de Sade sein. Trashig noise-rockig geht's weiter mit teilweise verfremdeten Stimmen, Chören, Gitarre, Rhythmusgerät und minimalistischen Soundeffekten. Streckenweise mit sehr schönen eingängigen Passagen -- das könnte ien Kritikpunkt sein, da oberflächlich betrachtet, Harmonie in einer Auseinandersetzung mit de Sades Werk, eher irritiert. Ist es für mich aber dann doch nicht. Schön ist das! Auf alle Fälle ein weiterer Schritt mehr, um de Sade von seinem Schmuddelimage zu befreien. Es ist so, als ob man einen alten de Sade Schinken aus dem Bücherregal zieht und ihn der dicken Staubschicht entledigt, unter der ihn die Literatur- und Kunstgeschichte oft zu verstecken versucht hat. Meine Empfehlung hat sie, die Messe!
maria / kapuzine /2009
catalog |
main |